Lampenfieber

Dieses Jahr feiert comfort noise das Zehn-Jahre-Jubiläum. Zehn Jahre! Das ist unglaublich. Die Band hat sich unheimlich verändert seit Beginn. Einerseits musikalisch - sehr stark, wie ich finde - andererseits personell. Ganz zu Beginn wurden wir zusätzlich von Saxophon (ja, die neue Rechtschreibregel sagt, Saxophon schreibe man mit F, ist mir aber Wurscht, das ist einfach hässlich) und Posaune begleitet. Wir waren noch etwas mehr in der Funk-Ecke, leicht angehaucht von Ska. Später, als uns Saxophon und Posaune verliessen, floss mehr Pop in unsere Songs. Inzwsichen haben wir uns total gefunden - gerade in den letzten 18 Monaten haben wir eine ganze Reihe neuer Songs geschrieben. Da hat es einige Perlen dabei, die uns mit Sicherheit reich und berühmt machen würden. 

Mein persönliches Highlight in diesen zehn Jahren war unser Auftritt vor dem KKL Luzern am Gästival im Sommer 2015. Nicht nur, weil dieser Ort wohl eine der schönsten Locations überhaupt ist, sondern auch aufgrund der Gesamtsituation. Wir haben zuvor schon einige Konzerte gespielt. Viele Freunde und Familienmitglieder standen jeweils im Publikum und wir wussten: Sollten wir total versagen, würden sie dennoch bis zum Ende bleiben. Beim Konzert vor dem KKL wussten wir, dass sehr viele Menschen da sein werden, die wir nicht kennen - und die vor allem UNS nicht kennen. Wir werden spielen und hautnah miterleben, wer einfach weitergeht und wer stehenbleibt. Für mich war das eine grosse Herausforderung. Und ich machte an diesem Abend eine Erfahrung, die mich sehr bereichert hat.

Ich war bisher bei jedem Konzert immer total nervös. TOTAL! Ich ging allen auf den Wecker, wollte kurz vor dem Auftritt nach Hause rennen und unter die Decke kriechen oder mich theatralisch in die Dusche setzen und mich samt Kleidern vom Wasser berieseln lassen und hin- und herwiegen. Doch beim KKL geschah etwas mit mir. Denn ich spürte keinerlei Unsicherheit. Fast schon etwas gruselig. Und ich fragte mich immer wieder, wieso ich denn nicht nervös werde. Und als wir anfingen unsere Songs zu spielen, da wusste ich wieso. Weil ich es einfach liebe. Und an diesem Abend noch mehr, da wir die Chance bekamen, uns einem richtig grossen Publikum zu präsentieren. Und weil dazu das Wetter grandios war, der See im Hintergrund so blau schimmerte wie in einem Prinzessinnen-Animationsfilm und der Typ am Mischpult absolut wusste, was er tat. Ich GENOSS einfach nur. Das ging uns wohl allen so. Es sind sehr viele Menschen bis zum Ende geblieben, die ich nie zuvor gesehen habe. Und das ist ein Wahnsinns-Gefühl.

Lampenfieber ist normal. Und vielleicht auch gesund. Es hält uns wach und aufmerksam, sorgt dafür, dass wir konzentriert bleiben. Und das Allerschönste ist, wenn man langsam merkt, wie sich das Lampenfieber auflöst und in pure Freude übergeht. Auf solche Momente freue ich mich auch künftig mit comfort noise. Die super Musiker und Freunde, mit denen Musik machen einfach fägt.

Auf die nächsten zehn Jahre!

Bezzy