Sprechen vs. Singen

Ich dachte früher immer, ich sei komisch. Komisch, aufgrund einer sehr merkwürdigen Eigenschaft. Denn das Singen vor fremden Menschen hat mich eigentlich selten eingeschüchtert. Klar, das normale Lampenfieber und die übliche Nervosität war immer da. Aber ich hatte nie panische Angst davor, vor anderen Menschen zu singen. Vielleicht, weil ich einigermassen weiss, was ich zu tun habe. Und weil ich auf mein musikalisches Gehör vertraue, sodass ich keine grosse Angst vor schiefen Tönen habe.

Panische Angst habe ich vor den Pausen zwischen den Songs. Wenn ich reden muss! Wenn ich dem Publikum was sagen soll. Die Songs sind zwar viel persönlicher als die gesprochenen Worte zwischen den Songs, doch ich fühle mich jedesmal komplett nackt, ausgestellt und komplett schutzlos. Während den Songs improvisiert man zwar auch, aber nicht pausenlos. Man kennt den Song, weiss, wann der Refrain kommt und wann die Bridge, weiss, dass man von der Musik getragen wird und dass man nicht komplett alleine auf dieser Bühne steht. Doch wenn man spricht, bricht jede Art von Schutzmauer in sich zusammen. Erbarmungslos.

Ich habe mich mal mit Stefanie Heinzmann über dieses Phänomen unterhalten, als sie noch relativ am Anfang ihrer Karriere stand. Und da habe ich gemerkt: Ich bin nicht so komisch. Das scheint normal zu sein. Sie hatte mir damals nämlich genau das gleiche gesagt. Reden vor Publikum ist schlimmer als Singen vor Publikum. Ja, Stefanie Heinzmann ist inzwischen längst weit entfernt von dieser Aussage. Sie hat sehr viel Sprecherfahrung gesammelt und wirkt auf ihren Konzerten selbstbewusst und souverän - und bei "The Voice of Switzerland" hat sie nicht nur toll gesprochen - das Gesagte war auch inhaltlich beeindruckend.

So habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch aus mir mal eine Sprechgranate wird. Ich übe einfach ein bisschen.

Bezzy